Urkunde

Mit Brief und Siegel

Erfeulicherweise ist die Urkunde in sehr gutem Zustand im Staatsarchiv in Stuttgart verwahrt und ist mit den angehängten Siegeln der beteiligten Parteien, den Pfalzgrafen von Tübingen und den Rittern von Kuppingen ein echtes Schmuckstück.


Erstnennung unseres Dorfes Oberjesingen als "Öesingen" anno 1314.

Die Geschichte des am Rande des Korngäues, zwischen Schwarzwald und Schönbuch, in 534 m Höhe gelegenen Fleckens Oberjesingen ist eng verknüpft mit der Gemeinde Kuppingen. Diese Muttergemeinde wird im Jahre 961 urkundlich erstmals erwähnt, während die Siedlungen Affstätt 1287 und Oberjesingen 1314 erstmals urkundlich bezeugt sind.  Im Folgenden Auszüge aus der „Urkunde 1314“:         

Wesentlicher Inhalt der Urkunde:

1. Verkauf diverser Güter, Leibeigener und Rechte in Kuppingen (Cuppingen), Affstätt (Afstetten) und Oberjesingen (Oesingen / Ösingen) durch die Hemmelinge an den Pfalzgrafen von Tübingen.

Auszug: Ich Wernher ain Ritther von Cuppingen genant der Hameling / mit mir min elichu Wirtin vro [Frau] Siburg unn alle mine nahsten erben [...] haben gegeben ze kuofende / unserm gnadigen Herren Grave Ruodolfen von Tüwingen genant dem Schaerer / unn ouch allen sinen erban / alle die hovestet [Stätte, wo ein Hof mit den dazu gehörigen Gebäuden steht] die wir haben in dem Dorfe ze Cuppingen [...] unn mit namen dru mensche [Familie / Hausmutter] / unn der Kint [Kind bzw. Kinder] / dü sint gesessen [Wohnsitz] ze Afstetten /  

unn mit namen ain mensche / unn des kint in dem dorfe ze Oesingen 

umbe ane dry sezig phünde guoter pfenninge haller munse [„um ohne drei sechzig“ = 57 Pfund Heller ...]

2. Abmachung über die Nutzung einer Mühle zu „Sulz im Dorf“ (heute Sulz am Eck) und über Mühlen an der Ammer.  Dieser Text ist für unsere Dorfgeschichte nicht von Bedeutung.

3. Datum: Herrenberg, 1314 Februar 22; Das Dokument endet mit den Worten:

[...] / unn ich der vorgenante Wernher ain Rither von Cuppingen genant der Hamelink min aigen ingesigel darnach gehenket an disen brief / unn ouch zuo ainem waren urkunde der vor gescribenen dinge /  Der wart gegeben ze Herrenberg / an dem Fritdage dem nahsten vor dem wissen sunnendage [Weißer Sonntag] / Do man zalte von Cristes geburte druzehenhundert iar / unn in dem vierzehenden iare /    [22. Februar 1314]


Geschichtlicher Hintergrund: Unser Dorf war schon immer eng mit der größeren und wahrscheinlich auch älteren Nachbargemeinde Kuppingen verbunden. Lange Zeit, bis 1818, wurde es von dort aus verwaltet. Zeitweise waren Teile des Dorfes Eigentum der Herren von Kuppingen; ebenso waren manche seiner Bewohner Leibeigene dieser Herrschaften. In einem solchen Zusammenhang steht auch seine erste Nennung als Oesingen / Ösingen.

In Kuppingen lebte das Adelsgeschlecht der Freien von Kuppingen, zu dem später das Rittergeschlecht der Hemmlinge kam. 1090 werden Werner und Rudolf von Kuppingen in der Urkunde der Reformabtei Hirsau als Zeugen genannt. Werner von Kuppingen taucht wenig später im Kloster Schwarzach als Mönch auf. Zu diesem Zeitpunkt zählen sich die Herren von Kuppingen zu den Edelfreien, die dem Hochadel angehören. 1233 werden die drei Brüder Konrad, Albrecht und Werner von Kuppingen in einer in Herrenberg ausgestellten Urkunde als Zeugen des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen genannt.

Im Mai 1287 eskalierte die Fehde zwischen den Grafen von Hohenberg und denen von Zollern, wobei die Pfalzgrafen von Tübingen und Herren von Herrenberg auf der Seite der Hohenberger standen, während die Kuppinger Hemmlinge auf der Seite der von Markgraf Hermann von Baden geführten Zollern kämpften. In Zuge dieser Auseinandersetzungen ging im August 1287 das den Herren von Kuppingen gehörende Affstätt in Flammen auf. Am 22. Februar 1288 überfiel Trutwin der Hemmling den Pfalzgrafen von Tübingen Rudolf der Scherer II. bei Malmsheim und verwundete diesen. Hiermit begann der Anfang vom Ende der Herren von Kuppingen. König Rudolf von Habsburg erzwang zwar ein Einlenken der Kontrahenten, 1306 kam es aber erneut zum Kampf, in dem die Pfalzgrafen von Tübingen den Kuppingern eine schwere Niederlage beibrachten, in Folge derer diese ihre Burg schleifen und ihren Burggraben zuschütten mussten. Erlaubt war ihnen fortan nur noch ein zweistöckiges Wohnhaus ohne Schießscharten, Ringmauer und Graben. Außerdem behielten sie die Vogtei über das Dorf Kuppingen. 1314 ging den Hemmlingen auch die Vogtei über das Dorf Kuppingen verloren (Gegenstand der „Urkunde 1314“). 1340 war der Untergang der Hemmlinge besiegelt, als die Tochter Werners von Kuppingen ihre kompletten Besitztümer an die Pfalzgrafen von Tübingen verkaufte.

Siehe auch „ Kuppingen - mein Heimatort“: http://fani.fischer.free.fr/de/kuppingen/geschichte.htm

und „Zeitreise BB“,  unter „Kuppingen und Hemmlingsfehde“: http://www.zeitreise-bb.de/.

                 

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